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Kann Hypnose wirklich helfen, mit dem Rauchen aufzuhören?

Warum der Rauchstopp nicht immer ein Kampf sein muss – was die Forschung sagt und welche Erfahrungen ich in meiner Praxis mache.

Glaskaraffe und Notizbuch im warmen Licht auf einem Holztisch

Viele Raucher kennen diesen Widerspruch: Eigentlich möchten sie aufhören. Sie wissen, dass Rauchen ihrer Gesundheit schadet, viel Geld kostet und sie in einer anstrengenden Abhängigkeit hält. Trotzdem fällt es ihnen schwer, sich ein Leben ohne Zigaretten vorzustellen.

Vielleicht hast auch Du schon mehrfach versucht aufzuhören. Möglicherweise hast Du einige Tage oder Wochen durchgehalten, bevor Du wieder angefangen hast. Oder Du schiebst den Rauchstopp immer wieder auf, weil Du befürchtest, dass Dir die Zigaretten zu sehr fehlen werden.

Kann Hypnose dabei helfen, etwas zu verändern?

Ich bin davon überzeugt, dass sie für viele Menschen ein wertvoller Weg sein kann. Diese Überzeugung beruht nicht allein auf meiner Ausbildung als Hypnotherapeut, sondern auch auf meiner eigenen Geschichte und den Erfahrungen aus mehr als 1.000 Raucherentwöhnungen.

Dabei möchte ich eines vorwegnehmen: Hypnose ist kein Wundermittel. Sie kann einen Rauchstopp nicht garantieren. Aber sie eröffnet eine Möglichkeit, die viele Menschen zunächst kaum für vorstellbar halten: mit dem Rauchen aufzuhören, ohne dauerhaft gegen das Verlangen nach Zigaretten kämpfen zu müssen.

Warum ich selbst von diesem Ansatz überzeugt bin

Ich habe früher selbst geraucht. Zwölf Jahre lang habe ich immer wieder versucht, damit aufzuhören. Manchmal gelang es mir für eine gewisse Zeit, doch das Nichtrauchen blieb für mich ein Kampf.

Dann las ich das Buch „Endlich Nichtraucher!“ von Allen Carr.

Zum ersten Mal veränderte sich nicht nur mein Verhalten, sondern meine gesamte Sichtweise auf das Rauchen. Was zuvor mit Verzicht, Anstrengung und dem Gefühl verbunden war, auf etwas Wichtiges verzichten zu müssen, fühlte sich plötzlich erstaunlich leicht an.

Ich musste nicht ständig gegen die Lust auf eine Zigarette ankämpfen. Vielmehr hatte sich meine Einstellung so verändert, dass ich das Rauchen nicht mehr als etwas Erstrebenswertes betrachtete.

Allerdings wurde ich nach anderthalb Jahren rückfällig. Auch diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich hatte unterschätzt, dass eine einzelne Zigarette alte Denk- und Verhaltensmuster wieder aktivieren kann.

Heute vermittle ich meinen Klienten deshalb beides: die Möglichkeit eines erstaunlich leichten Rauchstopps und die Bedeutung, auch langfristig aufmerksam zu bleiben.

Aus meiner heutigen Sicht als Hypnotherapeut erkenne ich in Allen Carrs Buch viele Parallelen zu hypnotischen Veränderungsprozessen. Dazu gehören das Hinterfragen bisheriger Überzeugungen, wiederholte suggestive Botschaften und die Entwicklung einer neuen inneren Haltung.

Aber meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, wie tiefgreifend sich die innere Bewertung des Rauchens verändern kann.

Was Hypnose beim Rauchstopp verändern soll

Viele Menschen glauben, dass sie beim Aufhören vor allem lernen müssen, einem starken Rauchverlangen zu widerstehen. Natürlich kann es hilfreich sein, mit schwierigen Situationen und aufkommenden Impulsen achtsam umzugehen. Doch in meiner Arbeit steht eine andere Frage im Mittelpunkt:

Was wäre, wenn die Zigarette ihren vermeintlichen Wert für Dich verlieren würde?

Wenn Du nicht mehr das Gefühl hättest, Dir etwas verbieten zu müssen? Wenn Du einen anderen Menschen rauchen sehen könntest, ohne ihn darum zu beneiden – vielleicht sogar mit Erleichterung darüber, selbst nicht mehr rauchen zu müssen?

Genau an dieser Veränderung arbeite ich. Dabei geht es nicht darum, das Rauchen einfach als schlecht darzustellen. Das wissen die meisten Raucher längst. Viel interessanter ist, weshalb Zigaretten trotzdem als hilfreich, beruhigend oder unverzichtbar erlebt werden.

In der Hypnose kann es möglich werden, neue Vorstellungen nicht nur gedanklich nachzuvollziehen, sondern emotional zu erleben.

Wie ich Hypnose und Erkenntnisarbeit verbinde

Eine Raucherentwöhnung beginnt bei mir nicht erst auf der Hypnoseliege.

Zunächst sprechen wir ausführlich darüber, welche Bedeutung das Rauchen bisher für Dich hatte. Wir betrachten typische Alltagssituationen, frühere Aufhörversuche und Deine Erwartungen an ein Leben ohne Zigaretten.

Dabei hinterfragen wir Überzeugungen, die das Rauchen möglicherweise attraktiv erscheinen lassen: Brauche ich eine Zigarette, um mich zu entspannen? Fehlt mir ohne sie etwas? Kann ich schwierige Situationen überhaupt ohne Rauchen bewältigen?

Manchmal verändert sich die Einstellung bereits während dieses Gesprächs erheblich. Einzelne Klienten haben mir sogar gesagt, sie hätten das Gefühl, die anschließende Hypnose gar nicht mehr zu brauchen.

In der Hypnose vertiefen wir diese Arbeit.

Wir gehen gedanklich durch vertraute Alltagssituationen: den Morgenkaffee, eine Pause, ein Gespräch mit Freunden oder einen stressigen Moment. Du kannst Dir dabei vorstellen, wie Du diese Situationen als Nichtraucher erlebst.

Dabei geht es nicht allein darum, keine Zigarette anzuzünden. Es geht um das positive Erleben des Nichtrauchens: freier atmen, mehr Energie haben, unabhängiger sein und den Alltag entspannter erleben.

Wir beschäftigen uns auch mit Deiner Zukunft: Wie würde sich Dein Leben entwickeln, wenn Du einfach weiterrauchst? Und welche Möglichkeiten eröffnen sich Dir, wenn Du dauerhaft Nichtraucher bist?

Diese Vorstellungen sollen Dir helfen, Deine Entscheidung nicht nur gedanklich zu treffen, sondern sie auch emotional zu verankern.

Hypnose bedeutet dabei nicht, die Kontrolle abzugeben. Du bleibst ansprechbar und kannst jederzeit mitteilen, was Du erlebst oder nicht möchtest.

Was ich in über 1.000 Raucherentwöhnungen erlebt habe

In den vergangenen zwölf Jahren habe ich mehr als 1.000 Menschen bei der Raucherentwöhnung begleitet.

Besonders beeindruckt mich immer wieder, wie unterschiedlich Menschen den Rauchstopp erleben können. Manche berichten schon unmittelbar nach der Sitzung, dass der Gedanke an eine Zigarette seine Anziehungskraft verloren hat. Andere bemerken zwar gelegentlich einen Rauchimpuls, verspüren aber keinen wirklichen Wunsch mehr, diesem nachzugeben.

Über 250 positive Referenzen und zahlreiche weitere persönliche Rückmeldungen haben mich in meiner Arbeit bestärkt. Viele Menschen berichten darin, dass ihnen das Aufhören wesentlich leichter gefallen ist, als sie zuvor erwartet hatten.

Besonders freue ich mich über ehemalige Klienten, die nach längerer Zeit Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen zu mir schicken. Einige haben im Laufe der Jahre zahlreiche Menschen an mich weiterempfohlen.

Natürlich weiß ich nicht von allen Klienten, ob sie dauerhaft rauchfrei geblieben sind. Positive Rückmeldungen sind auch keine repräsentative Erfolgsstatistik. Menschen, die besonders zufrieden sind, schreiben möglicherweise eher eine Bewertung als andere.

Dennoch sind diese Erfahrungen für mich bedeutsam. Sie sind ein wesentlicher Grund dafür, dass ich seit vielen Jahren mit großer Überzeugung Menschen in eine rauchfreies Leben begleite.

Was sagt die Wissenschaft über Hypnose zur Raucherentwöhnung?

Hypnose zur Raucherentwöhnung wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht. Einige davon berichten über ermutigende Ergebnisse. Gleichzeitig ist die Forschungslage weniger eindeutig, als man es sich wünschen würde.

Bereits 2006 erkannte der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Hypnotherapie bei Erwachsenen unter anderem für den Anwendungsbereich Abhängigkeiten wissenschaftlich an. Die entsprechenden Belege bezogen sich auf die Raucherentwöhnung und den Methadonentzug. Allerdings wies der Beirat ausdrücklich darauf hin, dass die Studienergebnisse zur Raucherentwöhnung sehr unterschiedlich ausfielen und deshalb nur eingeschränkte Schlussfolgerungen zuließen.

Eine kleinere Untersuchung von Schlarb und Schweizer (1999) berichtete nach einem Monat eine Abstinenzquote von 63 Prozent in der Hypnosegruppe gegenüber 25 Prozent in der Vergleichsgruppe. Nach 20 Monaten lagen die berichteten Werte bei 33 beziehungsweise 17 Prozent. Allerdings waren die Gruppen klein und nicht randomisiert; es gab zudem viele Studienabbrüche. Der längerfristige Unterschied war statistisch nicht gesichert. Diese Zahlen sind deshalb kein verlässlicher Maßstab für die zu erwartende Erfolgsquote einer Hypnosebehandlung.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 untersuchte 14 randomisierte Studien mit insgesamt 1.926 Teilnehmern. Die Autoren fanden keine ausreichend verlässlichen Belege dafür, dass Hypnose anderen Methoden zur Raucherentwöhnung langfristig überlegen ist. Auch ein möglicher zusätzlicher Nutzen in Kombination mit anderen Behandlungen blieb wegen methodischer Schwächen unsicher.

Das bedeutet nicht, dass Hypnose hier als wirkungslos angesehen wurde. Es bedeutet, dass die bisherige Forschung noch keine ausreichend sicheren Aussagen über ihre Wirksamkeit im Vergleich zu anderen Methoden erlaubt.

Die deutsche S3-Leitlinie von 2021 stufte fachgerecht durchgeführte Hypnotherapie als „möglicherweise wirksam“ ein und hielt ihren Einsatz bei der Tabakentwöhnung grundsätzlich für möglich. Die Leitlinie war bis Ende 2025 gültig und wird aktualisiert. Für bestimmte Formen der Verhaltensunterstützung und für Medikamente zur Raucherentwöhnung liegen insgesamt belastbarere Wirksamkeitsnachweise vor.

Für meine eigene Arbeit ist außerdem wichtig: Ich verbinde Hypnose mit einer intensiven Erkenntnis- und Veränderungsarbeit. Wissenschaftliche Ergebnisse zu einzelnen Hypnoseverfahren lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf meine konkrete Vorgehensweise bei der Rauchentwöhnung übertragen.

Kann jeder Mensch mit Hypnose aufhören?

Nein. Und ich halte es für wichtig, das offen auszusprechen.

Manche Menschen erleben beim Nikotinentzug erhebliche körperliche oder emotionale Beschwerden. Andere haben große Angst davor, ohne Zigaretten mit ihrem Alltag nicht mehr zurechtzukommen.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst genauer hinzuschauen oder den Rauchstopp vorzubereiten. Bei ausgeprägter körperlicher Abhängigkeit können auch ärztlich begleitete Medikamente eine wichtige Unterstützung sein. Gelegentlich empfehle ich deshalb, mit einem Arzt über zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen.

Es kommt auch vor, dass ich mit einem Klienten gemeinsam entscheide, den Rauchstopp zunächst zu verschieben. Nicht jeder Mensch muss an jedem beliebigen Tag bereit sein, seine Zigaretten aufzugeben.

Mir ist wichtig, dass die Entscheidung nicht aus Druck entsteht, sondern aus einer möglichst klaren inneren Haltung.

Was ist, wenn Du schon mehrfach gescheitert bist?

Vielleicht hast Du bereits drei, fünf oder zehn Versuche hinter Dir und glaubst deshalb, dass Du es einfach nicht schaffen kannst. Ich sehe solche Erfahrungen häufig anders.

Wenn Du schon einmal mehrere Tage oder Wochen nicht geraucht hast, dann hast Du bereits erlebt, dass ein Leben ohne Zigaretten grundsätzlich möglich ist. Das ist keine bedeutungslose Erfahrung, nur weil Du später wieder angefangen hast.

Wir können gemeinsam untersuchen, was damals funktioniert hat, was schwierig war und was Du daraus lernen kannst.

Auch ein erneuter Rauchimpuls nach einer Hypnose muss nicht bedeuten, dass die Veränderung gescheitert ist. Ein Gedanke an eine Zigarette ist noch keine Entscheidung zu rauchen.

Gleichzeitig sollte man Rückfälle ernst nehmen. Gerade wenn das Nichtrauchen leicht geworden ist, kann die Vorstellung entstehen, eine einzelne Zigarette sei inzwischen harmlos. Meine eigene Geschichte hat mich gelehrt, diese Gefahr nicht zu unterschätzen.

Muss der Rauchstopp wirklich schwer sein?

Ich glaube, dass viele Raucher eine bestimmte Vorstellung vom Aufhören haben: Es wird anstrengend, die Zigaretten werden fehlen und man muss lange Zeit stark bleiben. Diese Vorstellung ist verständlich, besonders wenn frühere Versuche schwierig waren. Aber sie muss nicht für jeden Menschen zutreffen.

Ich habe selbst erlebt, dass sich meine Einstellung zum Rauchen grundlegend verändern kann. Und ich habe in meiner Praxis viele Menschen erlebt, die nach einer Raucherentwöhnung mit Hypnose von einer ähnlichen Erfahrung berichten konnten.

Nicht jeder wird den Rauchstopp als leicht erleben. Und nicht jeder wird mit Hypnose dauerhaft Nichtraucher. Doch nach zwölf Jahren und mehr als 1.000 Begleitungen bin ich weiterhin davon überzeugt, dass Hypnose in Verbindung mit einer intensiven Veränderung der inneren Einstellung vielen Menschen helfen kann, einen neuen Zugang zum Nichtrauchen zu finden.

Vielleicht musst Du nicht lernen, für immer auf etwas zu verzichten. Vielleicht kannst Du entdecken, dass Du die Zigarette gar nicht mehr möchtest.

Genau diese Möglichkeit möchte ich mit meiner Arbeit eröffnen.

Quellen und wissenschaftliche Einordnung

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Matthias Bär

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